Trainer deutet Startelfeinsatz von Alario und Aranguiz an

Herrlichs Sehnsucht nach Normalität

Wünscht sich eine stabilere Defensive: Heiko Herrlich.
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Die Frage, welches das wahre Gesicht von Bayer 04 ist, lässt sich nicht seriös beantworten. Zu groß sind die Schwankungen in dieser Saison. Nach meist schwachen Auftritten in den ersten Spielen hat die Werkself nun eine "Achterbahnfahrt" aufgenommen, wie es Heiko Herrlich vor dem Europa-League-Rückspiel gegen Zürich formulierte, in dem sich Leverkusen mit einem Sieg bei einem gleichzeitigen Unentschieden im Parallelspiel bereits sicher für die Zwischenrunde qualifizieren könnte.

Bayer pendelt zwischen Kantersieg und Klatsche. Ein Zustand, der für jeden Trainer schwer zu ertragen ist. Leverkusen präsentiert sich als Wundertüte. "Wir haben sehr viel Tore geschossen. Gerade gegen Bremen und Gladbach haben wir gezeigt, was mit unseren Offensivspielern möglich wäre", sagte Herrlich, "aber wir haben definitiv zu viel Gegentore bekommen. Teilweise auch zu einfach."

Diesen Status möchte er schnellstmöglich verändern. "Es muss das vorrangige Ziel sein, am Donnerstag gegen Zürich und auch am Sonntag in Leipzig und in der ganzen Saison, dass wir defensiv stabiler sind, weniger Gegentore bekommen. Da sind alle angehalten, besser zu verteidigen", fordert der 46-Jährige, der folglich auch gerne mal ein normales 1:0 nehmen würde? "Auf jeden Fall", so Herrlich.

Tore satt in der Europa League

Die Wahrscheinlichkeit ist in der Europa League allerdings relativ gering. In den bisherigen drei Spielen galt nämlich: Sowohl Bayer als auch der Gegner erzielten jeweils mindestens zwei Treffer. Mit dramatischen Torfolgen: In Rasgrad gewann Bayer 3:2 nach einem 0:2, gegen Larnaka 4:2 nach 0:1-Rückstand, in Zürich setzte es nach 0:1-Rückstand und zwischenzeitlicher 2:1-Führung eine 2:3-Niederlage. Mehr Achterbahn ist in drei Partien kaum möglich.

Dieses häufige Auf-und-ab spricht weder für Stabilität noch für Verlässlichkeit im Spiel der Werkself. Folglich entsprechen auch die Ergebnisse nicht den Ansprüchen des Champions-League-Anwärters. Sodass die Aussage von Julian Brandt nach einer statistischen Bestätigung verlangt, wenn der Nationalstürmer erklärt: "Die Spiele in Bremen und Gladbach haben sehr viel Selbstvertrauen gegeben. Natürlich war es enttäuschend, dass wir gegen Hoffenheim die Woche nicht veredeln konnten, ich glaube aber trotzdem, dass der Trend nach oben geht."

Aranguiz und Alario haben Startelfeinsatz in Aussicht

Eine Einschätzung, die bei einer Niederlage am Sonntag in Leipzig schon wieder konterkariert wäre bei dann elf Punkten aus elf Spielen. Bayer braucht jetzt Siege, um den Trend wirklich zu wenden. Schon gegen den FC Zürich, gegen den Herrlich sowohl dem seit Vorbereitungsstart fast durchweg wegen Patellarsehnenproblemen fehlenden Charles Aranguiz als auch dem zuletzt auf der Ersatzbank schmorenden Mittelstürmer Lucas Alario einen Startelfeinsatz in Aussicht stellte.

Ob er die Sehnsucht habe, mit zwei Siegen eine ruhige Länderspielpause zu erleben, wurde Herrlich gefragt. Seine Antwort: "Diese Sehnsucht ist immer da. Unabhängig von der Achterbahnfahrt, die wir in den letzten Wochen hinter uns haben. Wir wollen gegen Zürich gewinnen und danach möchte ist das nächste Spiel auch gewinnen. Wir haben uns ja fast schon an die Situation gewöhnt, dass es immer ein bisschen unruhig ist. Aber natürlich ist es unser Ziel, wieder in ruhigeres Fahrwasser reinzukommen. Doch das werden nur die Ergebnisse bringen." Im Idealfall ganz normale Ergebnisse - für die derzeit wenig spricht.