Das "Begräbnis" und die Folgen

Barça-Boss Bartomeu: "Einige werden gehen müssen"

Kündigte Konsequenzen an: Barça-Präsident Josep Maria Bartomeu.
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Normalerweise bewahrt ein Lionel Messi die Ruhe gegenüber seinen Mitspielern. Doch nachdem der junge Carles Alena einen einfachen Querpass in der Nachspielzeit ins Seitenaus gejagt hatte, war auch dem sonst so besonnenen Argentinier der Ärger ins Gesicht geschrieben. Genauso wie beim 2:2 in der Vorwoche gegen Huesca, als Malcom in aussichtsreicher Position so ziemlich alles falsch gemacht hatte.

Doch normal ist bei Barcelona nichts mehr seit Anfield. 18 Tage, nachdem Liverpool im Champions-League-Halbfinalrückspiel "Barça zerquetscht hat wie eine Kakerlake" (AS), läutete die katalanische "Sport" diesmal das "Begräbnis" ein. Am Camp Nou stehe "der bewegteste Sommer der vergangenen zehn Jahre bevor". Daran ließ auch der Klubboss keinen Zweifel: "Einige werden gehen müssen", sagte Bartomeu klipp und klar. Für den Trainer gilt das aber offenbar nicht. "Er hat einen Vertrag, ist Trainer von Barça und nicht der Schuldige an der Niederlage", so Bartomeu, der von einer "guten Saison", aber eben von keiner "exzellenten" sprach.

Ist Valverde schuld?

Und in der Tat fragt man sich: Ist es die Schuld des Trainers, wenn erfahrene und arrivierte Stammkräfte patzen? Jordi Alba zum Beispiel: Der Linksverteidiger hatte schon gegen Liverpool einen rabenschwarzen Tag erwischt, diesmal sah er vor dem 0:2 alles andere als gut aus. Oder dem schwachen Sergi Busquets, dem es nicht gelang, Linie ins Spiel der Katalanen zu bringen.

Offensiv enttäuschte vor allem 160-Millionen-Mann Philippe Coutinho, er gilt als sicherer Wechselkandidat. Die Fans haben die lustlosen und uninspirierten Auftritte des Brasilianers ohnehin längst satt. "Es mangelt in erster Linie an Toren. Alles hängt von Messi ab", stellte die "Mundo Deportivo" fest. Zumal Luis Suarez diesmal verletzungsbedingt ausfiel, er litt auf der Tribüne genauso mit wie der angeschlagene Marc-André ter Stegen. Bis zum Zeitpunkt des zweiten Gegentreffers hatte der Meister noch keinen Torschuss verbucht.

Der Mannschaft fehlt der Killerinstinkt

Doch Valverde scheint der Mannschaft keinen Killerinstinkt einimpfen zu können. Durfte das peinliche CL-Aus in Rom in der Vorsaison noch als ein Ausrutscher unter seiner Ägide verstanden werden, verstärkt sich inzwischen der Eindruck: In entscheidenden Spielen ist sein Team nicht auf der Höhe. Der 55-Jährige haute auch nach der Pleite von Sevilla nicht auf den Tisch, sondern stellte sich mal wieder hinter sein Team. "Ich kann den Spielern heute keine Vorwürfe machen. Sie haben alles gegeben, und ich denke nicht, dass es eine Frage der Einstellung war." Valencia sei schlicht "in dieser Nacht die bessere Mannschaft gewesen", so einfach war das für Valverde. Drastischere Worte wählte hingegen Piqué: "Es gibt keine Ausreden. Wir haben einen langen Sommer, um zu analysieren, was besser gemacht werden kann. Wir sind Barça, und wir sind verpflichtet, alle Wettbewerbe zu gewinnen." Worte, die sicher auch Valverde gut zu Gesicht gestanden hätten.

Klar ist: Valverde wird neues Personal zur Verfügung gestellt bekommen. Doch reicht ein noch recht unerfahrener Frankie de Jong als Verstärkung für das zentrale Mittelfeld? Bekommen die Katalanen den Zuschlag auch für das zweite Ajax-Talent, Innenverteidiger Matthijs de Ligt? Der 19-Jährige soll inzwischen auch von Manchester United heftig umworben werden. Und was ist mit Antoine Griezmann? Fragen, die seit Samstagabend drängender geworden sind beim FC Barcelona.