Vor dem Derby bei den Spurs

Aubameyangs Topbilanz: Hält Arsenals Shopping-Hoch?

Trifft er auch in seinem ersten North London Derby gegen Tottenham? Pierre-Emerick Aubameyang.
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Die Ausgangslage

Es geht um die Champions-League-Ränge, und für Arsenal ist es vielleicht schon die letzte Chance, sie nach einem Jahr Europa-League-Gähnen wieder zu erreichen: Bei fünf Punkten Rückstand auf Platz vier und vier auf den Fünften Tottenham wäre eine Niederlage am Samstag (13.30 Uhr, LIVE! Bei kicker.de) in Wembley schon mathematisch ein Tiefschlag, emotional erst recht. Hoffnung macht beiden Rivalen, dass Liverpool und vor allem Chelsea gerade auch nicht besonders konstant punkten. Die Spurs schielen sogar noch auf Platz zwei. "Darum kämpfen wir", sagt Trainer Mauricio Pochettino.

Das Personal

Während Arsenal noch um Keeper Cech (Wadenverletzung) bangt, feierten mit Winks, Rose und Abwehrchef Alderweireld gleich drei Langzeitverletzte der Spurs unter der Woche im FA-Cup-Nachholspiel gegen Viertligist Newport (2:0) ihr Comeback. Nicht nur bei diesem Trio muss Pochettino das North London Derby und das Achtelfinalhinspiel in der Champions League bei Juventus Turin am Dienstag in Sachen Belastung aufeinander abstimmen. Eine Sorge, die Arsene Wenger nicht hat.

Die Stimmung

Es ist ein wenig wie sonst auch im Leben: Ist man schlecht drauf, kann eine Shoppingtour die Laune heben. "Sie haben uns neue Hoffnung gegeben", antwortete Wenger am Donnerstag auf die Frage, inwieweit die Winterneuzugänge Pierre-Emerick Aubameyang und Henrikh Mkhitaryan die Teamdynamik verändert haben. Dann kam mit Everton (5:1) noch ein freundlicher Sparringspartner - und schon scheint über Arsenal wieder die Sonne. Und hat Arsenal nicht auch noch die jüngsten neun Spiele in Wembley gewonnen? Und das Derby-Hinspiel zuhause auch (2:0) ?

Psychologisch bekannt ist aber auch noch etwas anderes: dass ein Shopping-Hoch in der Regel eine sehr flüchtige Angelegenheit ist. An der bedrohlichen Vorstellung, wie Kane, Eriksen und Co. auf Arsenals Abwehrkette zustürmen, haben Aubameyang und Mkhitaryan ja nichts geändert, an Tottenhams Lauf - elf Pflichtspiele ohne Niederlage - ebenso wenig. Und die Frage, ob eine Offensive mit Özil, Mkhitaryan, Aubameyang und Iwobi nicht doch zu offensiv ist, wenn dahinter jedwede überzeugende Absicherung fehlt, muss ebenfalls noch beantwortet werden. Everton stellte Arsenals Balance jedenfalls vor keine niveauvollen Aufgaben.

Die Stürmerfrage

"Der beste Weg zu verteidigen ist, den Ball in den eigenen Reihen zu haben", sagte Wenger vor dem Derby - was aber nicht viel bringen wird, wenn in der restlichen Zeit verteidigt wird wie zuletzt in Bournemouth (1:2) und Swansea (1:3). Gegen Tottenham, das ja stets darauf aus ist, Ballverluste zu provozieren, wird es auf eine gemeinschaftliche Arbeit gegen den Ball ankommen. Bekommt deswegen vielleicht sogar Lacazette den Vorzug vor Aubameyang, wie einige englische Medien spekulieren? Andererseits hat Aubameyang in vier Duellen mit den Spurs viermal getroffen - eine Topbilanz. Und schon Liverpools Salah untermauerte unlängst, was man auch Tottenhams Hintermannschaft allein mit Tempo alles antun kann.

Den derzeit besten Stürmer Europas haben jedoch die Spurs in ihren Reihen, das räumte sogar Wenger am Donnerstag ein ("Den Zahlen nach wahrscheinlich schon"). Kane hat mit nur 24 Jahren die Marke von 100 Premier-League-Toren geknackt. Sechs davon sammelte er in sechs Aufeinandertreffen mit Arsenal.