Bundestrainerin erklärt Kaderzusammenstellung

"MVT" ruft Zielsetzung aus - Sorgen um Schult

Ihre WM-Teilnahme ist noch fraglich: Almuth Schult.
© imago images

Martina Voss-Tecklenburg stand die Erleichterung ins Gesicht geschrieben. Am Vortag hatte die Bundestrainerin den fünf Spielerinnen, die nicht mit zur WM fahren werden, die Situation erklärt. "Wir hatten am Montag sehr vertrauensvolle Gespräche. Es hat mir imponiert, wie die Spielerinnen mit der Situation umgehen", sagte die 51-Jährige am Dienstag. So hatte unter anderem Felicitas Rauch (Turbine Potsdam) verkraften müssen, dass Bayern Münchens Leonie Maier am Ende das Kopf-an-Kopf-Rennen für sich entschieden hatte. Dennoch will die Bundestrainerin die fünf nicht nominierten Backup-Spielerinnen - neben Rauch auch Kristin Demann (Bayern München), Lisa Schmitz (Turbine Potsdam), Lena Lattwein (TSG Hoffenheim) und Pauline Bremer (Manchester City) -, durch die man jederzeit auf Ausfälle reagieren könne, in die Vorbereitung einbinden, damit "sie taktischen Input erhalten, zum Team gehören und sich nicht alleine fit halten müssen".

Die Kaderzusammenstellung an sich sei "ein ziemlich langer Prozess" gewesen, inklusive "der einen oder anderen schwierigen Entscheidung", wie Voss-Tecklenburg zugab. Als Kriterien nannte die frühere Trainerin der Schweizer-Frauen-Nationalmannschaft "Positionsflexibilität, die aktuellen Leistungen, Rollenfrage und Rollenannahme sowie Charaktereigenschaften", zudem musste man entscheiden, wie viele junge und wie viele erfahrene Spielerinnen zum Kader gehören sollen. Am Ende, so die Bundestrainerin, habe man sich für einen Kader entschieden, von dem man überzeugt sei, "dass es das Team ist, das performen und mit uns was erreichen kann".

Bundestrainerin nominiert zwei Youngster

Dass es am Ende mit der erst 17-jährigen Lena Oberdorf (SGS Essen) und der 18-jährigen Klara Bühl (SC Freiburg) zwei ganz junge Spielerinnen in diesen Kader geschafft haben, hat für Voss-Tecklenburg seine Gründe: "Ihre aktuellen Leistungen waren ausschlaggebend. Sie haben zuletzt für viel Furore gesorgt und sich sehr gut entwickelt. Ihre Frische und Unbekümmertheit wird uns als Team guttun." Vor allem Oberdorf als Nesthäkchen lobt die Bundestrainerin als eine Spielerin, "die alles spielen kann und in Essen bereits eine Führungsrolle übernimmt". Zudem wolle man die jungen Spielerinnen, zu denen auch noch Julia Gwinn (19, SC Freiburg) gehört, auch mit Blick auf die Zukunft ins Team einbinden und weiterentwickeln.

Für eine Überraschung sorgte auch die Nominierung von Marina Hegering (SGS Essen), die nach einer fast fünfjährigen Fußballpause aufgrund einer hartnäckigen Fußverletzung Anfang April gegen Schweden (2:1) ihr Länderspieldebüt gefeiert hatte. "Marina hat sich toll zurückgekämpft und ist nicht zuletzt aufgrund ihrer Lebensgeschichte für uns als Persönlichkeit sehr wichtig", erklärte Voss-Tecklenburg.

Schult laboriert an einer Schulterverletzung

Ungewissheit herrscht derzeit nur noch auf der Torhüterposition, wo immer noch nicht final geklärt ist, ob Almuth Schult (VfL Wolfsburg) tatsächlich zur WM fahren kann. Die Stammkeeperin laboriert schon länger an einer Schulterverletzung. "Wir werden das in Grassau entscheiden. Almuth muss 100 Prozent performen können", stellt Voss-Tecklenburg klar. Dagegen sei Merle Frohms (SC Freiburg), die im Pokalfinale Anfang Mai noch mit einer Fingerverletzung fehlte, wieder voll belastbar.

Als Zielsetzung für die WM hat Voss-Tecklenburg, zu deren Trainerteam künftig auch Rekordnationalspielerin Birgit Prinz gehören wird, neben dem Gruppensieg auch die Qualifikation für Olympia ausgerufen, wofür mindestens das Erreichen des Halbfinales nötig sei, wie die Bundestrainerin glaubt: "Wir gehören zum Favoritenkreis und wenn wir unsere Leistung auf den Platz bringen, kommen wir auch sehr weit."

Stärkste Mannschaft im letzten Test

Den Feinschliff holt sich die deutsche Frauen-Nationalmannschaft vom 24. bis 31. Main in Grassau am Chiemsee, am 30. Mai steht das finale Testspiel gegen Chile in Regensburg an. "Dort wollen wir mit unserer stärksten Mannschaft auf den Platz gehen. Wir hoffen, dass wir dort schon ein wenig WM-Stimmung mitnehmen können", appellierte Voss-Tecklenburg auch an die Zuschauer, die zahlreich erscheinen sollen.

Am 3. Juni reist die DFB-Auswahl nach Frankreich, wo sie in den WM-Gruppenspielen am 8. Juni in Rennes auf China (ab 15 Uhr, live in der ARD), am 12. Juni in Valenciennes auf Spanien (ab 18 Uhr, live im ZDF) und am 17. Juni in Montpellier auf Südafrika (ab 18 Uhr, live in der ARD) trifft.