Nach 18 Jahren beim DFB ist Schluss

Hrubesch: "Meine Ehe stand nie auf dem Spiel"

Legt sein Amt ohne Wehmut nieder: Horst Hrubesch beendet seine Tätigkeit beim DFB.
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Es war ein etwas trister Rahmen für den Abschluss einer großen Trainerkarriere: Lediglich 3.196 Zuschauer fanden an einem verregneten Mittwochnachmittag den Weg in das frisch renovierte Steigerwaldstadion in Erfurt - und ein Tor seines Teams war dem ehemaligen Klassestürmer (195 Tore in 302 Profispielen) auch nicht vergönnt.

"Genauso ein Spiel habe ich mir zum Schluss gewünscht - das Spiel stand bis zum Ende Spitz auf Knopf und war Werbung für den Frauenfußball."

Horst Hrubesch

Dennoch war Horst Hrubesch nach seinem zweiten Abschied vom Trainerjob komplett im Reinen mit sich: "Genauso ein Spiel habe ich mir zum Schluss gewünscht - das Spiel stand bis zum Ende Spitz auf Knopf und war Werbung für den Frauenfußball." Wenige Minuten vorher hatten sich seine DFB-Frauen nach einer unterhaltsamen Partie mit 0:0 von der spanischen Frauennationalmannschaft getrennt. Wehmut kam beim "ewigen" DFB-Coach während der 90 Minuten nach eigener Aussage nicht auf: "In der Partie war so viel drin, ich hatte eigentlich gar keine Zeit, um groß nachzudenken."

Überaus erfolgreiche Jahre beim DFB

Um 17:50 Uhr ging mit dem Schlusspfiff der schwedischen Unparteiischen Tess Olofsson eine überaus erfolgreiche Ära beim DFB zu Ende. Sein 18-jähriges Dienstjubiläum hatte Hrubesch in diesem Jahr beim Deutschen Fußballbund gefeiert, eine Zeit in der er viele Erfolge feiern konnte. So war es der gebürtige Hammer, der die spätere goldene Weltmeistergeneration um Manuel Neuer, Jerome Boateng oder Sami Khedira 2009 in Schweden zum U-21-Europameistertitel geführt hatte. Sieben Jahre später schweißte der 21-malige deutsche Nationalspieler eine Einheit zusammen, die ohne hohe Erwartungen zu den olympischen Spielen nach Brasilien gereist war und mit der Silber-Medaille aus Rio zurückkehrte.

Eigentlich sollte das olympische Finale im ausverkauften Fußball-Tempel Maracana gegen die Heimelf um den Superstar Neymar der Abschied von der großen Fußballbühne für den dreimaligen deutschen Meister bedeuten: "Doch dann haben wir nach dem Aus von Steffi Jones als Bundestrainern nach einer Lösung bei den Frauen gesucht - und haben die Lösung, die wir eigentlich wollten, nicht hingekriegt. Deswegen hat sich die Geschichte für mich so ergeben."

"Ob Jungs oder Mädels, es ging für mich immer um das Miteinander, darum, die Leute zusammenzubringen - das war für mich das Faszinierende."

Horst Hrubesch

Bereut habe er es aber nie, nach dem großen Erfolg doch nochmal als Trainer zurückzukehren: "Ob Jungs oder Mädels, es ging für mich immer um das Miteinander, darum, die Leute zusammenzubringen - das war für mich das Faszinierende."

Kommunikation - Hrubeschs liebstes Werkzeug

Kommunikation diente dem Trainer, der unter anderem auch in der Türkei und in Österreich Mannschaften betreute, dabei als "Hauptmittel". "Ich habe den Posten immer als Aufgabe gesehen, die Spieler besser zu machen, ihnen Möglichkeiten zu geben wie es einfacher geht." Auf die Zeit als Fußballrentner blickt der 67-Jährige positiv voraus: "Ich freue mich darauf, endlich mal frei entscheiden zu können, keine Termine mehr zu haben und dort hinzugehen, wo ich hin möchte."

Scheidender Bundestrainer will nichts ausschließen

Ob er im Länderspiel gegen die "eingespielte und erfahrene spanische Mannschaft" nun tatsächlich zum letzten Mal als hauptverantwortlicher Trainer eines Teams aufgetreten ist, wollte Hrubesch weder bejahen noch verneinen - und ließ sich ein kleines Hintertürchen offen: "Ich sage im Leben niemals nie."

Trotz seines Rücktritts vom Rücktritt im März 2018 erklärte die HSV-Legende zum Ende der Pressekonferenz: "Meine Ehe stand nie auf dem Spiel." Mit seiner Frau Angelika möchte der Fußball-Europameister von 1980 nun erst einmal auf Entdeckungstour gehen: "Nach meiner Karriere als Aktiver bin ich acht Wochen nach Alaska gefahren, jetzt reise ich wahrscheinlich drei Monate um die Welt."