Frankfurts Verteidiger steht zum dritten Mal im Finale

Russ: "Wir müssen ihnen die Freude nehmen"

Mit harter Gangart zum Erfolg: Marco Russ freut sich auf die Bayern.
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...die Frage, ob aller guten Dinge drei sind?

"Das wäre perfekt. Wir haben 2006 gegen die Bayern 0:1 verloren, da waren wir nah dran. Letztes Jahr haben wir auch ein sehr gutes Finale gespielt, hatten in der einen oder anderen Situation aber ein bisschen Pech. Dieses Jahr gegen die Bayern ist es Zeit. Auch wenn die Bayern in ganz Deutschland als übermächtig betitelt werden, haben wir eine große Chance, das Spiel zu gewinnen. Stuttgart hat es gezeigt. Natürlich ging es für die Bayern um nichts mehr, trotzdem wollten sie sich bestimmt anders vom eigenen Publikum verabschieden. Von daher trauen wir uns schon eine Überraschung zu."

...seine Gefühlswelt:

"Wir freuen uns natürlich mega darauf. Alle, die schon einmal im Finale standen, wissen, wie toll das in Berlin ist. Wir haben ein ganzes Jahr hart darauf hingearbeitet. Jetzt heißt es, die letzten Tage vor dem Finale zu genießen, alles Positive aufzusaugen und es im Spiel umzuwandeln."

...seine Einschätzung zu Platz 8 in der Liga:

"Wenn man die ganze Saison so hart arbeitet, so weit oben steht und dann die letzten Spiele nicht die Ergebnisse erzielt, um sich für Europa zu qualifizieren, ist man natürlich enttäuscht und sauer. Aber so ist es nun einmal. Ich habe 'Alle Spiele, alle Tore' bei Sky geschaut, da wurden die vor der Saison gestellten Prognosen gezeigt, da waren wir überall auf Platz 14 oder 15. Platz 8 ist für uns im Endeffekt super, aber es ist natürlich ärgerlich, wenn man auf der Zielgeraden die Punkte liegenlässt. Wir haben allerdings immer noch die Möglichkeit, am Samstag Europa zu erreichen."

"Wir haben es in dieser Saison zu 90 Prozent so gespielt, dass wir fies in den Zweikämpfen und als Mannschaft eklig auf dem Platz waren."

Marco Russ

...den Vergleich zum Aufeinandertreffen 2006:

"2006 war der Unterschied zwischen beiden Teams noch viel krasser als jetzt. Wir kennen die Stärke der Bayern, sie werden auch mehr Ballbesitz haben. Aber wenn ich sehe, dass Stuttgart mit 20 Prozent Ballbesitz 4:1 in München gewinnt... An vorderster Front steht gutes Verteidigen, und wir müssen unsere Chancen, die wir vorne haben werden, so nutzen, dass wir den Bayern wehtun können."

...die Gangart, mit der Frankfurt den Bayern begegnen muss:

"Wir haben es in dieser Saison zu 90 Prozent so gespielt, dass wir fies in den Zweikämpfen und als Mannschaft eklig auf dem Platz waren; gerade gegen Mannschaften wie Bayern oder Dortmund, die natürlich versuchen, über das Spielerische zu gewinnen. Wir müssen ihnen die Freude nehmen, damit sie ins Grübeln kommen und sich vielleicht über unsere härtere Gangart ärgern. Dann haben wir schon etwas erreicht. Das müssen wir von Anfang an auf den Platz bringen, dann denke ich, dass wir schon unsere Chance sehen, zum Erfolg zu kommen."

...die Frage, ob sich für ihn mit der Finalteilnahme ein Kreis schließt:

"Es war schon letztes Jahr ein absolutes Highlight, dabei zu sein. Ich habe zwar nicht gespielt, es aber trotzdem enorm genossen. Der Kreis hat sich für mich schon damals geschlossen, weil es fast auf den Tag genau ein Jahr her war, dass ich die Diagnose (Hodenkrebs, Anm. d. Red.) bekommen habe. Von daher war das damals schon eine runde, abgeschlossene Sache. Doch gerade in meinem Alter nimmt man solche Highlights so sehr mit. Ich werde es ab dem Tag, an dem wir anreisen, ab Donnerstag einfach nur genießen."