Kommentar von kicker-Reporter Sebastian Wolff

Gewinner Goretzka, Verlierer Leno

Verlebten einen unterschiedlichen Confed-Cup-Auftakt: Leon Goretzka riss das Spiel an sich, Bernd Leno (r.) machte keine gute Figur.
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Aus Sotschi berichten Oliver Hartmann und Sebastian Wolff

Am Tag vor der Partie noch hatte Bernd Leno erklärt, ein Spektakel wie zum Auftakt des Confed-Cups 2005 im eigenen Land, damals siegte Deutschland 4:3 gegen Australien, strebe er nicht an, als Torwart sei ihm ein zu Null lieber.

Es wäre möglich gewesen gegen einen über weite Strecken überforderten Kontrahenten . Doch ausgerechnet der Keeper selbst war maßgeblich beteiligt am Verfehlen dieser Vorgabe. Beim ersten Gegentreffer machte er, wohlwollend formuliert, eine unglückliche Figur nach Julian Draxlers Fehlpass, beim zweiten war es eine denkbar Schlechte. Der Leverkusener ist damit der Verlierer in einer siegreichen Elf - gerade vor dem Hintergrund, dass die Plätze hinter Manuel Neuer hart umkämpft sind und mit Kevin Trapp der vermeintliche Außenseiter im Kampf um die WM beim Debüt in Dänemark überzeugt hatte.

So elanvoll der erste Durchgang geriet, so auffällig war auch: Lenos zweiter Fehlgriff hatte die Folgen eines Wirkungstreffers für Löws Elf, die fortan Souveränität vermissen und einen limitierten Gegner ins Spiel kommen ließ. Dennoch bleiben für Löw diese Erkenntnisse: 45 Minuten lang hat seine Perspektiv-Elf ihre Spielstärke demonstriert und Lust auf mehr gemacht.

Herausgestochen ist insbesondere Leon Goretzka, der nicht nur an allen drei Treffern beteiligt war, sondern auch demonstrierte, dass er in Abwesenheit der Platzhirsche Sami Khedira, Toni Kroos und Mesut Özil bereit ist, das Spiel im Zentrum an sich zu reißen.

Positiv hinzu kommt: Die Mannschaft erfüllte eine weitere Vorgabe des Bundestrainers, sie wies die erhoffte taktische Flexibilität nach. Im Anschluss an das 3:2 hatte Löw in der Abwehr von einer Vierer- auf die zuletzt eingeübte Dreierkette umgestellt, und damit Stabilität hergestellt, obwohl sein Defensiv-Joker Niklas Süle nicht restlos überzeugt hat.

Wirklich in Not geriet die DFB-Elf in der Schlussphase nicht, obwohl sie ihren Schwung verloren hatte. Doch zur Bewertung des Turnierauftakts gehört auch diese Feststellung: Einen wirklichen Gradmesser stellte der Gegner nicht dar. Der wartet dann am Donnerstag in Kasan mit Chile.