Seriensieger Madrid scheitert in der Champions League deutlich

Königliche Korrosion: Real setzt alles in den Sand

Abgang von der Bühne Champions League: Toni Kroos & Co. waren nach dem 1:4 bedient.
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Dreimal hintereinander die Königsklasse gewonnen und nun hart auf dem Boden gelandet: Real Madrid durchlebt den nächsten Nackenschlag in einer von Rückschlägen geprägten Saison. Nach dem durchaus glücklichen 2:1-Hinspielsieg im Achtelfinale bei Ajax Amsterdam kassierten die Blancos am Mittwochabend ein heftiges 1:4 im heimischen Bernabeu - und schieden vor einer verstummten Kulisse insgesamt verdient aus der Champions League aus. Der Titelverteidiger hat damit auch die dritte Titelchance in dieser Spielzeit nach Meisterschaft (zwölf Punkte Rückstand auf Barcelona) und Pokal ( Copa-Aus gegen Barça ) versiebt.

Die Szenen im Stadion sprachen mehr als tausend Worte: Dem zuletzt als "Dieseltraktor" kritisierten Toni Kroos unterlief früh im Spiel ein fataler Fehler, der ins 0:1 von Hakim Ziyech mündete. Der überragende Serbe Dusan Tadic vernaschte mehrere Gegenspieler, ehe er Casemiro via Zidane-Trick versetzte und für 2:0-Schütze David Neres durchsteckte. Tadic selbst schlenzte die Kugel dann in den linken Winkel. Lasse Schöne hob den Ball außerdem rechts oben ins Eck, wo sich Torwart Thibaut Courtois leicht verspekulierte. Außerdem holte sich zu guter Letzt noch Nacho Gelb-Rot ab.

Und während am Spielfeldrand der langjährige Stammspieler und zuletzt zum Bankspieler degradierte Marcelo saß, dürften auch Isco (nicht einmal mehr im Kader) und der gesperrte Sergio Ramos das Debakel mit Entsetzen verfolgt haben. Die Aktion des 32-jährigen Kapitäns, der sich im Hinspiel gegen Ende der Partie absichtlich die Gelbe Karte abgeholt hatte, wohl von einem bereits gesicherten Weiterkommen ausgegangen und später von der UEFA für zwei Spiele gesperrt worden war , passte hier absolut ins Bild.

"In einer Woche haben wir zu Hause alles verloren"

Dabei war die Champions League die letzte verbliebene realistische Titelchance für die Königlichen - doch diese Hypothek schien die ganz in weiß gekleideten Profis aus der spanischen Hauptstadt mehr zu lähmen als zu beflügeln. Im Grunde lief an diesem Abend alles falsch wie schief. Da verletzten sich Akteure wie Lucas Vazquez oder Vinicius Junior früh, Weltmeister Raphael Varane nickte an den Querbalken, der in der Kritik stehende Gareth Bale , der bei seiner Einwechslung in Minute 29 ausgepfiffen wurde, traf nur den Pfosten und Joker Marco Asensios Hoffnungs-Anschluss zum 1:3 verpuffte auf der anderen Seite prompt durch das 4:1.

"In einer Woche haben wir zu Hause alles verloren. Ich bin gerade völlig leer. Ich habe keinerlei Erklärung für das, was hier heute passiert ist", fand Real-Profi Dani Carvajal nach der dritten Niederlage in Serie (0:3 gegen Barça, 0:1 gegen Barça, 1:4 gegen Ajax) und nach dem zweiten CL-Heimspiel mit mindestens drei Gegentoren (0:3 gegen ZSKA Moskau im Dezember), was es so überhaupt noch nie (!) gab, sichtlich ernüchtert erste Worte gegenüber "Movistar". "Wir müssen damit jetzt professionell umgehen und weiterarbeiten. Wir brauchen auch nicht nach Entschuldigungen suchen. Ajax war schlichtweg besser - und wir haben innerhalb kurzer Zeit alles verspielt. Mir persönlich ging es noch nie so schlecht." Nacho legte gegenüber "Movistar" nach: "Wir sind am Boden zerstört. Wir sind es nicht gewohnt, zu diesem Zeitpunkt einer Saison praktisch ohne Titelchance dazustehen. Denn La Liga ist nicht mehr realistisch - und die Copa wie Champions League weg. Das ist alles hart und schwer zu verkraften."

Solari: "Wir sind traurig"

Trainer Santiago Solari äußerte sich später ebenfalls und fand auf der Pressekonferenz nach dem Spiel folgende Worte: "Wir sind traurig. Wir haben sicherlich etwas versucht, doch es hat heute nicht gereicht." Aufgeben kommt für den sicherlich nun noch weiter in die Kritik geratenen Coach indes nicht in Frage: "Ich bin nicht hier angetreten, um aufzugeben." Außerdem sei Real Madrid "größer als jeder Einzelne" und würde "immer stärker zurückkommen".

Von einem Ende einer Ära will Verteidiger Carvajal ebenfalls nichts wissen - obwohl die Blancos (Rekordsieger mit 13 Titeln in der Königsklasse) erstmals seit 2009/10 wieder in einem Viertelfinale der Champions League fehlen werden: "Das sehe ich nicht so. Wir haben einen jungen Kader mit vielen guten Spielern." Darauf müsse in Zukunft aufgebaut werden, denn für den Moment sei klar: "Diese Saison ist vorüber." Punkt.