Die Suche nach einem Sportvorstand dauert an

Krösche war bereits in Nürnberg

Beim Club als Sportvorstand im Gespräch: Markus Krösche, derzeit in Diensten des SC Paderborn.
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Die Stimmung? Gelöst, gutgelaunt - und der Begriff "1. Liga" fällt in der Gesprächsrunde auffällig häufig, und dies ohne nachdenkliche oder wehmütige Zwischentöne. Letzteres mag ein Stück weit erstaunen, denn im Mittelpunkt steht schließlich mit dem FCN das seit 20 Spieltagen sieglose Schlusslicht der Liga. Andererseits ist es auch ein durchweg positiver Anlass, der die von der bekannten und bekennenden FCN-Sympathisantin Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein geleiteten Gesprächsrunde zusammenführt: Der Club und sein Haupt- und Trikotsponsor Nürnberger Versicherung verkünden in dessen Zentrale, dass die seit 2016 bestehende Partnerschaft um weitere drei Jahre bis 2022 verlängert wird.

Eine Meldung, die nicht überrascht, schließlich hat Dr. Armin Zitzmann, Vorstandsvorsitzender der Nürnberger Versicherung, bereits zu Beginn des Jahres wenig Zweifel daran gelassen, dass der Konzern den im Juni auslaufenden Vertrag verlängern würde - unabhängig von der Ligazugehörigkeit.

Welche Liga Zitzmann jedoch als die einzige passende für den 1. FCN ansieht, daraus macht er keinen Hehl: "Wir spielen in der Versicherungsbranche in der 1. Liga, und diesen Anspruch leiten wir auch für diese Partnerschaft ab." Und der sich anbahnende Abstieg? Der wäre dann eben ein "kurzfristiges" Abbiegen von dem anvisierten Weg des Vereins, mittelfristig gesehen wieder fix dem etablierten Bundesliga-Zirkel anzugehören.

"Ich bin Kaufmann, und deswegen liegt die Option 2. Liga ganz oben auf dem Stapel auf meinem Schreibtisch."

Nürnbergs Finanzvorstand Niels Rossow

"Bei diesem Ziel wollen wir den Club unterstützen", so Zitzmann. Rund zwei Millionen Euro wird sich das 1884 gegründete Unternehmen mit der Nürnberger Burg als Wahrzeichen dieses Vorhaben pro Jahr kosten lassen, umgekehrt erwartet der Konzern von der unverändert "großen Strahlkraft des Vereins" zu profitieren. Wie sehr dem gebürtigen Nürnberger und ehemals hochklassigen Amateurfußballer der Club am Herzen liegt, wird auch dadurch deutlich, dass er einen Appell an die Unternehmen in der Region richtet, sich ebenfalls beim Club zu engagieren. "In dieser Beziehung hat der FCN im Vergleich zu anderen Bundesligisten Nachholbedarf", so Zitzmann.

Eine Zusammenarbeit mit "großem Vertrauen"

Ein Umstand, der dem seit nunmehr gut einem halben Jahr tätigen FCN-Finanzvorstand Niels Rossow ebenfalls ein Dorn im Auge ist und den er dementsprechend ändern will. Im Verhältnis zum Hauptsponsor indes kann der 41-Jährige überhaupt nichts erkennen, was es zu korrigieren gilt. "Unser Zusammenarbeit ist von großem Vertrauen geprägt", betont Rossow das, was man gemeinhin bei solchen Anlässen eben sagt. Wobei das Verhältnis zwischen den beiden Partnern auch wirklich richtig gut ist, bislang hat es noch nichts gegeben, was es ansatzweise hätte trüben können.

Apropos trüb. Der Blick Rossows ist sehr klar und nicht von Durchhalteparolen vernebelt, was die unmittelbare Zukunft anbelangt. "Ein kleines Fünkchen Hoffnung glimmt noch, wenn ich sehe, wie die Mannschaft auftritt. Aber ich bin Kaufmann, und deswegen liegt die Option 2. Liga auch ganz oben auf dem Stapel auf meinem Schreibtisch." Eine Option, die ihm finanziell keinerlei Bauchschmerzen bereitet. Alles wäre solide durchgeplant und das Ziel Wiederaufstieg und die schwarze Null, eigentlich zwei sich selbstausschließende Dinge, laut Rossow machbar.

"Eine tolle Lösung" in den nächsten Wochen

Bleibt die Frage, wer ihn dabei auf der sportlichen Führungsebene unterstützen wird? Nach der folgerichtigen Trennung von Andreas Bornemann herrscht da ein Vakuum, was Rossow ebenso wenig anficht wie der Umstand, dass der FCN dadurch fast schon sechs wertvolle Wochen verloren hat, was die Planungen für die kommende Saison anbelangt. "Der Aufsichtsrat sucht sehr akribisch. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir in den nächsten Wochen eine tolle Lösung präsentieren können", so der Finanzvorstand.

Und die könnte Markus Krösche heißen. Der 38-Jährige Sport-Geschäftsführer des Zweitligisten Paderborn steht auf dem Zettel des FCN ganz oben, war am Dienstag auch zu Gesprächen in Nürnberg. Er bestätigt auch, in Kontakt mit den Franken zu stehen, mehr aber nicht. Einen großen Haken hat das Ganze allerdings: Krösche, der 2017 in Paderborn sein Amt antrat, hat dort einen Vertrag bis 2022.

Krösche könnte Przondziono mitbringen - einen Ex-Nürnberger

Im vergangenen Sommer dachte auch der HSV sehr intensiv wie konkret über den als gewieft geltenden und blendend vernetzten Ex-Profi nach, die Ablöseforderung betrug rund eine Million Euro. Und es ist sehr unwahrscheinlich, dass der Zweitligist ihn nun einfach so ziehen lassen würde, zumal Krösche mit Martin Przondziono seine rechte Hand mitbringen würde - auch deswegen hätte diese Lösung sehr viel Charme, der Club sucht ja zusätzlich zum Sportvorstand noch einen Mann, der eine Ebene tiefer als Kaderplaner oder Sportmanager fungiert. Da ein eingespieltes und nachweislich gut zusammenarbeitendes Duo installieren zu können, wäre ein nicht hoch genug einzuschätzender Vorteil. Und dass Przondziono von 1994 bis 1996 in der 2. Liga schon einmal das Club-Dress trug (19 Einsätze, 2 Tore), ist sicherlich auch nicht von Nachteil.

Aber, wie gesagt, umsonst gibt’s das Paket garantiert nicht, auch wenn der SC Paderborn keine Summen nennt, besser nennen kann. Elmar Volkmann, Präsident des e.V. und Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses, betont jedenfalls, dass er das Ganze sehr wohl mitbekommen hat, bislang aber niemand konkret an den Verein herangetreten sei - weder der Club noch Krösche selbst. "Sollte das passieren, setzen wir uns, wie es in diesem Geschäft üblich ist, zusammen und schauen, ob wir eine Lösung hinbekommen", so Volkmann.

Weiter im Rennen ist übrigens unverändert auch Ex-Club-Profi Per Nilsson (in Leipzig Assistent von Ralf Rangnick). Stephan Schwarz, Technischer Direktor beim FCA, ist indes kein Thema mehr.