Breitenreiter empfiehlt mehr offensive Zugänge

Hannover: Nachrüsten oder für Liga 2 planen?

Mit 96 in der Krise: Manager Horst Heldt und Trainer André Breitenreiter (r.).
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Im täglichen Training, vor allem aber in den beiden Testspielen während des einwöchigen Trainingslagers in Marbella bekam André Breitenreiter vor Augen geführt, woran es seinem Team besonders mangelt. "Spielanlage und Spieleröffnung waren die Schwerpunkte, da waren wir variabel, sind schnell in die gegnerische Zone gekommen", resümierte Hannovers Trainer etwa nach dem abschließenden 3:3 gegen die Belgier von Zulte Waregem. "Bis ins letzte Drittel haben wir das wirklich gut gemacht. Ja, und dann…", sinnierte der 45-Jährige jedoch weiter, "was hat dann gefehlt? Der letzte Pass und die nötige Qualität haben gefehlt. Wir haben keine Tore geschossen. Das hat am Ende etwas mit Qualität zu tun. Und das ist nicht dagewesen."

Vorne drin hat nur Wood Bundesliga-Erfahrung

Zwar trafen nach dem sonntäglichen 0:0 gegen NEC Nijmegen seine Spieler bei der Aufholjagd gegen Zulte immerhin dreimal. Doch: Benjamin Hadzic, Florent Muslija und Hendrik Weydandt hießen die Torschützen – Akteure, denen Breitenreiter bei aller Wertschätzung nicht zutraut, für 96 auch die nötigen Treffer im Bundesliga-Abstiegskampf zu schießen. "Bobby Wood ist der Einzige, den wir vorne mit Bundesligaerfahrung haben", betont Breitenreiter, der dabei freilich gleichzeitig mit ansehen musste, wie dem US-Amerikaner unter spanischer Sonne im Training wie im Spiel so gut wie nichts gelang.

Gegenüber Klubboss Martin Kind werde er seine "Eindrücke nach dem Trainingslager auch so vermitteln, wie ich sie sehe". Die dringende Empfehlung lautet, auf dem Transfermarkt Offensivspieler in den Blick zu nehmen. "Wir haben zu wenig Personal, da ändert sich nichts und da muss ich auch inhaltlich in der Sache nicht zurückrudern." Weil die Not in vorderster Linie am größten ist und, wenn überhaupt, womöglich nur noch ein einziger Nachkauf machbar ist, tendiert man offensichtlich inzwischen vom als Box-to-Box-Spieler eingeschätzten Bryan Dabo (26, AC Florenz) zu einem echten Angreifer.

Kind: "Sonst müssten wir so ehrlich sein..."

Martin Kind macht das weitere strategische Vorgehen von den Einschätzungen seiner sportlich Verantwortlichen abhängig. Der Klubboss sieht den Tabellenvorletzten am Scheideweg: "Ich will nach dem Ende des Trainingslagers nun wissen, ob mit dieser Mannschaft inklusive der bereits nachverpflichteten Nicolai Müller und Kevin Akpoguma sowie womöglich eines weiteren Neuen eine Perspektive besteht, die Klasse zu halten. Sonst müssten wir so ehrlich sein, schon jetzt den Neuaufbau in der 2. Liga einzuleiten."

Eines ist für den 74-Jährigen klar: "Etwas wie 2016 darf und wird nicht noch einmal passieren." Für rund zehn Millionen Euro hatten die um den Ligaerhalt ringenden Niedersachsen vor drei Jahren versucht, mit dem neuen Trainer Thomas Schaaf und einigen Winter-Nachkäufen die Wende herbeizuführen. Am Saisonende 2015/16 stand trotz der damaligen Rekord-Aufwendungen der sang- und klanglose Abstieg.