Nürnberg hat gute Erinnerungen an Wolfsburg

Ewerton heißer Startelf-Kandidat - doch für wen?

Steht vor seiner Startelf-Rückkehr: Nürnbergs Stamm-Verteidiger Ewerton.
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Was dies für die erste der drei Aufgaben am Freitag zu Hause gegen den VfL Wolfsburg bedeutet, ist klar: Ein Sieg soll her gegen einen Gegner, der zwar laut Köllner sehr gut drauf sei, an den die Franken aber gute Erinnerungen haben. Beim letzten Aufeinandertreffen im vergangenen Jahr am 19. Dezember gingen die Wölfe zwar in der DFB-Pokal-Achtelfinalpartie in Nürnberg mit einem 2:0 vom Platz, doch sie benötigten eine Verlängerung, um den damaligen Zweitligisten auszuschalten. "Wir waren in der regulären Spielzeit auf Augenhöhe und sind in der Verlängerung erst durch einen Standard in Rückstand geraten. Wir konnten also mithalten - und wenn wir am Freitag unsere Dinge regeln, wird dies erneut der Fall sein, nur mit einem hoffentlich besseren Ende", sagt Köllner.

Was er mit "unsere Dinge regeln" meint: ja nicht so auftreten wie bei den Bayern! Heißt also, entschieden die Zweikämpfe suchen, finden und diese dann auch aggressiv führen. Und ebenso entschieden den Weg nach vorne suchen, mit Mut wie auch Zutrauen ins eigene Können auf den Torerfolg aus sein. So gesehen ist Köllner die bisherige Trainingswoche ein echtes Vergnügen gewesen. Giftig, aggressiv ging es zu, jeder Zweikampf war ein heiß umkämpfter, bei jeder Spielform und jedem Spielchen gönnte das eine Team dem anderen weder Räume noch Abschlüsse.

Ein Umstand, der Köllner aus zweierlei Hinsicht erfreut. Zum einen zeigt die Mannschaft die erhoffte Reaktion auf ihren blutleeren Auftritt in der Allianz-Arena, zum anderen ist die ein Beleg für einen guten körperlichen Zustand. "Vor einem Jahr haben wir zu diesem Zeitpunkt nicht mehr mit solch einer Frische trainiert", erinnert sich Köllner in dem Wissen, dass Frische im Training ja schön ist, aber wiederum nichts wert ist, wenn sie im Ernstfall, sprich in der Liga, nicht auf den Platz gebracht wird.

Ewerton "ist wieder topfit"

Um dies zu vermeiden, wird der FCN-Coach im Vergleich zum bayerischen Derby seine Mannschaft auf jeden Fall umstellen. Innenverteidiger Ewerton hat nach seinem in der Sommervorbereitung erlittenen Syndesmoseriss zuletzt etliche Extra-Schichten mit Athletik-Trainer Florian Klausner gefahren, um seinen Rückstand aufzuholen. Mit Erfolg. "Er ist wieder topfit", befindet Köllner. Damit ist der in der vergangenen Saison gesetzte Brasilianer ein heißer Kandidat für die Startelf. Das bedeutet aber, dass aus dem bisherigen Duo Margreitter/Mühl einer weichen muss, was wiederum den Trainer vor eine schwerere Wahl stellt, als es die 33 Gegentore vermuten lassen.

Den schlechtesten Wert der Liga macht Köllner nämlich - zu Recht übrigens - nicht am bisherigen Innenverteidiger-Pärchen fest, sondern am mitunter fehlerhaften Defensivverhalten der ganzen Mannschaft. Den beiden bescheinigte er ungeachtet des einen oder anderen Patzers, dass sie ihre Sache bislang ordentlich gemacht hätten. Andererseits dürfte er an einem Ewerton in Normalform nicht herumkommen. Wobei er sich die Wahl ersparen könnte, wenn er auf eine Dreierkette mit Ewerton in der Mitte umstellen würde. Es wäre allerdings ein Stück weit überraschend, wenn er diese Variante wählen würde.

Heimspiel bedingt andere Spielertypen - Kubo zum Beispiel

Was hingegen sicher ist: Die Offensive wird ein anderes Gesicht haben als in München, bedingt alleine schon durch eine andere taktische Herangehensweise. "Wir spielen zu Hause, da sind wir anders als bei den Bayern auf eigenen Ballbesitz und Dominanz aus. Das bedingt dann auch andere Spielertypen", so Köllner.

Einen Yuya Kubo zum Beispiel, der sicher kein Zweikampfmonster ist, mit seiner Übersicht, Technik und Ballsicherheit aber einem Spiel Rhythmus wie auch Torgefährlichkeit verleihen kann. Der Zusatz: Vor allem wenn er so in Form ist, wie zu Beginn dieser Saison. Von dieser Leichtfüßigkeit und Spielfreude ist der Sommer-Zugang vom KAA Gent zuletzt ein gutes Stück weit entfernt gewesen. Ob dem 25-Jährigen die Umstellung von der belgischen ersten Liga auf die Bundesliga schwerfällt, oder ist es der Umstand, dass er bedingt durch die Vorliebe seines Trainers zur Rotation seinen Platz beim Club noch nicht gefunden hat? Es dürfte sich um ein Zusammenspiel beider Komponenten handeln.

Zum 21. Mal in Folge nicht mit der gleichen Startformation

Besagte Rotation übrigens hält der FCN-Coach für unerlässlich. Das Tempo wie auch die mentale Belastung in der Bundesliga seien um einiges höher als in Liga 2, "da stoßen die Spieler schon mal an ihr Limit", so Köllner. Deswegen nimmt er ganz bewusst immer wieder den einen oder anderen Spieler komplett raus und "die langen Gesichter" in Kauf, um dann mit frischen Kräften ins Rennen zu gehen. "Das sorgt zwar für persönliche Enttäuschungen, aber es hat sich bislang für uns ausgezahlt", ist Köllner überzeugt.

Mit wie viel Frische er am Freitag in die Partie gegen die Wölfe gehen wird? Mit einem, zwei, drei oder vier neuen Akteuren? Darüber lässt sich nur spekulieren, was indes bereits feststeht. Er wird ligaübergreifend zum 21. Mal in Folge in einem Punktspiel im Vergleich zum vorausgegangenen nicht mit der gleichen Startformation beginnen. Zuletzt veränderte er am 27. Spieltag in der 2. Liga beim Heimspiel gegen Darmstadt (1:1) nichts - da schickte er zu Beginn dieselbe Formation auf den Platz, die eine Woche zuvor in Bielefeld (0:1) begann.