Ein Kommentar von kicker-Reporter Julian Franzke

Hütter ist eine clevere Wahl

Genießt in Österreich und der Schweiz einen sehr guten Ruf: Adi Hütter.
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Ein Kommentar von kicker-Reporter Julian Franzke

Fünf Wochen brodelte die Gerüchteküche, beinahe täglich wurden neue Namen als heiße Kandidaten in Medien und Öffentlichkeit diskutiert. Bobic muss all die Aufgeregtheiten mit einem verschmitzten Lächeln zur Kenntnis genommen haben. Der Sportvorstand fädelte die Hütter-Verpflichtung im Hintergrund ein und achtete penibel darauf, dass der Kreis der Mitwisser so klein wie möglich blieb.

Am Mittwoch sickerte der Name des neuen Trainers schließlich doch durch, allerdings bestand zu diesem Zeitpunkt bereits Einigkeit über einen Dreijahresvertrag bis zum 30. Juni 2021. Die Trainer-Laufbahn des früheren österreichischen Nationalspielers begann vor elf Jahren bei den RB Salzburg Juniors. Seither hat Hütter in Österreich und der Schweiz Erstaunliches geleistet. Den SV Grödig führte er 2013 in die 1. Liga, wo der Underdog zur Überraschungsmannschaft avancierte und prompt auf den 3. Platz stürmte. Das rief Ralf Rangnick, seinerzeit auch Sportdirektor bei RB Salzburg, auf den Plan. Er holte Hütter zurück, 2015 gewannen sie das Double. Wegen der Verkäufe prominenter Spieler und Differenzen bei der Spielphilosophie kam es jedoch zur Trennung, der Coach heuerte wenig später in Bern an.

Erfolgsduo mit Spycher in Bern

In dem früher oft von Turbulenzen durchgerüttelten Verein sorgte er zusammen mit Sportdirektor und Eintracht-Ex-Profi Christoph Spycher für Ruhe. Ihren größten Erfolg feierten sie erst vor wenigen Wochen, am 28. April. Durch einen 2:1-Sieg gegen Luzern gewann der Traditionsklub aus Bern erstmals seit 32 Jahren die Schweizer Meisterschaft. Wie damals in Salzburg könnte sich Hütter nun auch in Bern mit dem Double verabschieden: Am 27. Mai wird er beim Pokalfinale gegen den FC Zürich ein letztes Mal auf der Trainerbank der Young Boys sitzen.

Eintracht erhält Erfolgscoach

Die Eintracht bekommt also einen Coach, der auf all seinen Stationen Erfolg hatte. Auch beim österreichischen Zweitligisten SCR Altach, seiner ersten Profi-Station, spielte er jedes Jahr um den Aufstieg mit. Mehr als diese Erfolge dürften Bobic jedoch Hütters fußballfachliche Fähigkeiten überzeugt haben. Bei YB sorgte er zunächst durch außergewöhnlich intensives Pressing für Aufsehen, mit der Zeit erarbeitete er sich einen Ruf als Taktikfuchs, der einen sehr variablen, offensiven Fußball spielen lässt.

Davon zeugen 82 geschossene Tore in dieser Saison. In Frankfurt wird er sein Augenmerk künftig allerdings verstärkt auch auf die Defensive legen müssen. Eine stabile, kompakte Abwehr war das Fundament von Niko Kovacs erfolgreicher Arbeit. Frankfurt verfügt nicht über die individuelle Qualität, um wie Bern munter durch die Liga stürmen zu können. Doch Hütter hat gezeigt, dass er sich und seine Spielidee den Gegebenheiten anpassen kann.

Hütter erfüllt wichtige Anforderung

Er erfüllt auch eine weitere wichtige Anforderung: In Bern schaffte er es, einen aus Profis verschiedenster Kulturen zusammengestellten Kader zu einer eingeschweißten Truppe zu formen. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, auch die Multi-Kulti-Mannschaft in Frankfurt anführen zu können.

Natürlich gibt es keine Garantie, dass Hütter bei der Eintracht Erfolg haben wird. Zumal der Abgang von Leistungsträgern wie Marius Wolf droht und die vielen WM-Fahrer erst im Verlauf der Vorbereitung dazu stoßen. Der Trainer, der nie einen Hehl daraus machte, in der Bundesliga arbeiten zu wollen, bringt aber die nötigen Kompetenzen mit, um sich auch in Deutschland den exzellenten Ruf zu erarbeiten, den er in der Schweiz und in Österreich bereits besitzt.

Dass er im vergangenen Herbst als Kandidat für den Posten des österreichischen Nationaltrainers gehandelt und von Werder Bremen umworben wurde, ist kein Zufall. Hütter wollte sein Werk in Bern zu Ende bringen. Das ist ihm mit dem Meistertitel gelungen. In Frankfurt ist weit weniger nötig, um die Menschen glücklich zu machen. Doch das macht die Aufgabe nicht weniger anspruchsvoll.