Stadiongäste sollen laut FCB-Vorstandschef mitgucken dürfen

Videobeweis: Bilder auf die Anzeigentafel?

In der sogenannten "Review Area" sieht sich der Schiedsrichter (hier Harm Osmers) nochmals Videomaterial an. Ob die Bilder künftig auch Stadionbesucher sehen?
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"Wer hätte denn Angst davor?", fragte Rummenigge am Montag beim 1. Bundesliga-Zukunftsgipfel in Köln. "Warum sollen die Zuschauer im Stadion nicht das sehen, was die Zuschauer zu Hause auch sehen? Das wäre doch kein Problem."

Ligapräsident Reinhard Rauball reagierte als Nachbar Rummenigges auf dem Podium eher zurückhaltend, ob der Videobeweis und vor allem das vom Schiedsrichter eventuell begutachtete Filmmaterial für alle Stadiongäste zur Verfügung gestellt werden sollte. "Das könnte ein Teil der Analyse sein", sagte Rauball zwar. Man müsse aber erst einmal den Ist-Zustand analysieren. "Was wir dann verfeinern können, wäre Schritt zwei."

Im Allgemeinen ist Rummenigge aber in jedem Fall weiter ein eindeutiger Verfechter des Videobeweises: "Ich bin zu 100 Prozent überzeugt, dass, wenn wir in einem Jahr zusammensitzen, die Probleme gelöst sind."

"Bauchschmerzen und Kinderkrankheiten"

Seit dem Beginn dieser Bundesliga-Saison 2017/18 wird der Videobeweis wahlweise gelobt, verteidigt, kritisiert oder verhöhnt. Am Dienstag und Mittwoch treffen sich nun die deutschen Spitzen-Schiedsrichter in Mainz, um ihre eigene Zwischenbilanz zu erarbeiten. "Dann werden wir alle Situationen nochmal aufgreifen, analysieren und das Ergebnis transparent darstellen", sagte der Chef der Schiedsrichter-Kommission Elite, Lutz Michael Fröhlich. "So kommen wir einen Schritt weiter in der Diskussion, was ein klarer Fehler des Schiedsrichters ist und was nicht."

Aktuell ist der öffentliche Druck nicht ganz so hoch, weil zuletzt vieles gut lief. So hat sich die große Aufregung um den Videobeweis an den jüngsten Bundesliga-Spieltagen etwas gelegt, weil gerade die verstärkte Nutzung der sogenannten "Review Area", in der die Schiedsrichter am Spielfeldrand selbst noch einmal auf einen Bildschirm schauen können, gut ankam. Auch sie hat dazu geführt, dass zuletzt deutlich mehr Fehlentscheidungen verhindert als große Diskussionen hervorgerufen worden.

Und so gibt Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge die Mehrheits-Meinung in der Liga ziemlich gut wieder, wenn er dem Videobeweis zwar einige "Bauchschmerzen und Kinderkrankheiten" attestiert, dem neuen System aber grundsätzlich positiv gegenüber steht. "Das ist nun mal eine Revolution im Fußball. Da sollten bitte alle durchhalten", sagte der Bayern-Vorstandschef dem kicker. Am Ende seien "alle froh" - und vielleicht können die Stadionbesucher auch künftig teilhaben an der Entscheidungsfindung der Referees. So wie es zum Beispiel in der National Football League (NFL) üblich ist.